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3/5/2026

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Trust Issues: Warum Earned Media im KI-Zeitalter einen Hype erlebt

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Trends & Haltung

Wenn du heute „News“ konsumierst, konsumierst du oft vor allem: Dopamin. Ein bisschen Empörung, ein bisschen Drama, ein bisschen „warte, was?!“. Clickbait ist der Defaultmode – Vertrauen so eine Art Premium-Feature. getpress CEO Max hat vor Kurzem einen TEDx Talk gehalten (proud). Und er setzt genau da an: Was passiert, wenn unsere Informationsräume auseinanderdriften und Wahrheit zur Geschmacksfrage wird? Und was heißt das für Marken, die in dieser Öffentlichkeit mitreden wollen? Spoiler: Laut sein reicht nicht. Und das ist vielleicht endlich wieder eine gute Nachricht.

Es gibt diesen Moment, den man in den letzten Jahren immer häufiger hat: Du siehst eine Nachricht, öffnest die Kommentare – und merkst, dass Leute nicht mal über dasselbe Ereignis sprechen. Nicht, weil sie unterschiedliche Meinungen haben. Sondern weil sie offensichtlich unterschiedliche Wirklichkeiten konsumieren. Das ist kein „die Leute sind halt doof“-Problem. Das ist ein Systemproblem.

Unser CEO Max hat das in seinem Talk „Shared Truth in the Age of Algorithms“ ziemlich gut auf den Punkt gebracht: Wenn Algorithmen entscheiden, was wir sehen, hören und glauben, wird Wahrheit plötzlich nicht nur eine Frage von Fakten – sondern auch eine Frage von Verteilung. Und damit auch von Macht. Genau an dieser Stelle wird es für Marken, Unternehmen und Kommunikations-Teams interessant. Denn wenn sich digitale Räume weiter fragmentieren, wird eine Sache knapper: Vertrauen. Nicht als Gefühl, sondern als Ressource, die unsere Demokratie zusammenhält.

Keine Öffentlichkeit ohne Vertrauen

Wir reden oft über Trust, als wäre das ein Gefühl: „Die Leute vertrauen uns.“ Aber Trust ist eher wie Strom: Du merkst erst, wie wichtig er ist, wenn er ausfällt.

Eine demokratische, offene Gesellschaft braucht gemeinsame Referenzpunkte. Nicht damit alle dieselbe Meinung haben – sondern damit Diskussion überhaupt möglich bleibt. Und das gilt besonders dort, wo viele Perspektiven, Sprachen und Lebensrealitäten zusammenkommen: Ohne eine geteilte Faktenbasis wird Vielfalt nicht zur Stärke, sondern zur Gefahr.

Denn was gerade passiert, ist nicht nur „viel Desinformation“. Es ist weniger gemeinsame Basis.

Wenn jede*r im eigenen Feed das eigene „Weltbild-Update“ bekommt, wird Einigkeit nicht schwieriger, weil Menschen schlechter sind – sondern weil das System sie schlechter miteinander sprechen lässt.

Das ist die Metaebene hinter dem ganzen „Fake News“-Gerede: Es geht um die Frage, ob wir als Gesellschaft überhaupt noch einen Modus finden, zusammen zu denken – über Milieus, Branchen und manchmal auch über Grenzen hinweg.

Journalismus ist nicht Content. Journalismus ist ein Korrektiv.

Kleiner Reality-Check: Content gibt’s genug. Was knapp wird, ist Einordnung.

Faktenbasierter, konstruktiver Journalismus hat eine Funktion, die Plattformlogiken nicht ersetzen (sollten, wenn ihr uns fragt): prüfen, kontextualisieren, gewichten. Nicht immer perfekt, aber als Prinzip: Wahrheit ist kein Reichweiten-Game. Und in einer vernetzten Öffentlichkeit ist genau das der Unterschied zwischen Debatte und Aufmerksamkeitshascherei.

Konstruktiv heißt dabei nicht „nett“. Es heißt: Probleme so beschreiben, dass man handlungsfähig bleibt. Nicht nur Empörung erzeugen, sondern Verstehen ermöglichen. Und ja, das klingt nach einem Ideal. Aber wir sind ziemlich sicher: Ohne dieses Ideal wird’s halt… ungemütlich. Für alle. Auch für Marken.

Keine PR-Romantik – ein Signal für Ernsthaftigkeit.

Earned Media ist so ein Begriff, der manchmal klingt wie: „Wir hätten gern einen Artikel in der FAZ.“ Aber das greift zu kurz.

Wenn man es ernst nimmt, ist Earned Media ein ziemlich rares Gut: ein unabhängiger Kontext, der nicht dir gehört. Und genau deshalb wirkt er. Denn im Gegensatz zu Owned Media („das sagen wir über uns“) oder Paid Media („das bezahlen wir, damit es jemand sieht“) passiert bei Earned Media etwas anderes: Da gibt es eine Instanz dazwischen, die prüft, einordnet, nachfragt, streicht, zuspitzt (im besten Sinne) und am Ende sagt: Das ist relevant genug, um es in die Welt zu tragen.

Das ist nicht immer bequem. Aber genau darin liegt die Stärke.

Denn das ist eine Form von sozialer und gesellschaftlicher Verankerung. In einer Welt, in der jede*r alles behaupten kann, sind redaktionelle Standards ein Stück „shared truth“-Infrastruktur. Nicht die einzige, aber eine der wenigen, die wir schon haben. Und je vielfältiger der öffentliche Raum ist, desto mehr braucht er Orte, die nicht nur Lautstärke sortieren, sondern Bedeutung.

Und damit wird Earned Media auch zu einer Wertefrage: Will ich Kommunikation als Trickkiste, um Aufmerksamkeit zu gewinnen? Oder als Beitrag zu einem Diskurs, der nicht komplett in Zynismus absäuft?

Haltung in Kommunikation heißt: Verantwortung für den Raum, den man bespielt. „Haltung“ wird oft so behandelt, als wäre es ein Satz auf der About-Page. In Wahrheit zeigt Haltung sich dort, wo es weh tut: in Entscheidungen.

Welche Themen pushen wir – und welche lassen wir liegen, weil sie nur klicken würden? Welche Aussagen belegen wir – und welche lassen wir bewusst unscharf, weil’s bequemer ist? Welche Medien unterstützen wir – nicht nur mit O-Tönen, sondern auch damit, dass Journalismus finanziell überleben kann?

Ja, das ist unangenehm. Aber wenn Marken mitreden wollen, müssen sie auch akzeptieren, dass Öffentlichkeit nicht nur Bühne ist, sondern Raum, den man mitgestaltet. Und in einer vielfältigen Öffentlichkeit ist dieser Raum besonders wertvoll – solange er faktenbasiert bleibt. Gerade dann, wenn unterschiedliche Perspektiven trotzdem miteinander kompatibel bleiben müssen.

Fazit: Trust wird zur Währung. Und Earned Media ist dafür eine stabile Bank.

In einer Welt aus Clickbait und fragmentierten Feeds ist Vertrauen nicht mehr das Nebenprodukt guter Kommunikation. Es ist das Ziel. Vielleicht sogar die Voraussetzung dafür, dass Kommunikation überhaupt noch wirkt.

Earned Media ist nicht die Lösung für alles. Aber sie ist ein Statement: Wir sind bereit, uns prüfen zu lassen. Wir wollen in Kontexten stattfinden, die Verantwortung ernst nehmen. Wir setzen auf Substanz statt nur auf Signal.

Und vielleicht ist das die wichtigste Meta-These aus Max’ Talk: Wenn „shared truth“ bröckelt, müssen wir sie aktiv bauen – nicht nur politisch, sondern auch kommunikativ.

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